Lieber Patient,
wie wir auch mündlich besprochen haben, ist bei Ihnen eine Wurzelkanalbehandlung zur Erhaltung des Zahnes notwendig.

Wie kann es dazu kommen?
Die Wurzelkanalbehandlung wird notwendig, wenn der Zahnnerv stark entzündet oder infolge ausgedehnter Karies bereits abgestorben ist. Auch bei Zähnen mit bereits erfolgter nicht optimaler Wurzelkanalbehandlung und gleichzeitiger Ausbildung einer Knochenentzündung an der Wurzelspitze muß eine Wiederholung der Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden.

Was ist das Ziel einer möglichst qualitativ optimalen Wurzelkanalbehandlung?
Bei fachlich exakter Vorgehensweise wird der betroffene Zahn mit einem Latextuch (Cofferdam) aus der Mundhöhle absolut trocken isoliert, um zu verhindern, daß während der Behandlung durch den Speichel Milliarden neuer Bakterien in die Wurzelkanäle gelangen. Dann wird die Karies vollständig entfernt und bei Bedarf muß der Zahn mit einer adhäsiven Aufbaufüllung stabilisiert werden. Daraufhin wird die Kammer des Zahnnervs eröffnet, der Nerv oder die Reste des Nervs entfernt und die Nervkanäle dargestellt. Je nach Art und Anatomie des Zahnes können ein bis zu sechs Kanäle zu behandeln sein, die Wurzelformen reichen von gerade bis stark gekrümmt oder mehrfach gewunden, die Kanallumina variieren von groß bis haarnadelfein und der Querschnitt der Kanäle hat Formen von rund bis längsoval mit Einziehungen! Die Identifizierung und Bearbeitung der Kanäle ist ohne Lupenbrille mit 4-fach-Vergrößerung mit einem aufgesetzten Speziallicht unter der Prämisse einer optimalen Behandlung praktisch nicht möglich!
Mit Hilfe von Röntgenbildern und einer speziellen elektrometrischen Messung wird die Länge der Kanäle bestimmt und dann erfolgt die diffizile, langwierige und anatomiegerechte Aufbereitung der Kanäle mit Handinstrumenten und einem neuartigen rotierenden Feilenantrieb mit drehmoment-begrenzten Schrittmotor zusammen mit hochelastischen Nickel-Titan-Feilen. Zusätzlich erfolgt die chemische Aufbereitung und Desinfektion mit speziellen Spüllösungen mit Hilfe eines druckbegrenzten alternierenden Saug-Druck-Motors.
Diese schwierige und zeitaufwendige Aufbereitung der Kanäle erfolgt in 1-2 Sitzungen, der Zahn wird zwischenzeitlich mit einem desinfizierenden und heilenden Medikament gefüllt und dicht verschlossen. In einer weiteren Sitzung werden die Kanäle mit einer speziellen Fülltechnik (Vertikale Verdichtungstechnik = zur Zeit “Goldstandard der Füllungstechniken”) dicht bis zur Wurzelspitze gefüllt und verschlossen. Dies geschieht in zwei Schritten: Der Wurzelspitzenbereich wird mit einer formkongruenten Guttapercha-Spitze und einen Sealer, der Rest des Kanals wird mit weich-fließender Guttapercha abgefüllt und warm verdichtet.
Je besser die Wurzelkanalbehandlung, umso weniger besteht das Risiko, daß die entzündungsbedingt vorhandenen Bakterien an der Wurzelspitze weiterleben und somit auf lange Sicht einen Eiterherd verursachen oder einen bestehenden Eiterherd manifestieren und vergrössern. Bei unvollständiger und nicht korrekter Wurzelkanalbehandlung käme es zu chronischen Schmerzen und zu einer Streuung der Bakterien über die Blutbahn in den ganzen Körper und schließlich zum Verlust des geschädigten Zahnes.
Unter Verwendung aller technischen Möglichkeiten, von reichlich Zeit und sehr guten, aber auch teuren Instrumenten und Materialien, läßt sich bei der Wurzelkanalbehandlung zu einem hohen Prozentsatz (80-90%) ein Erfolg der Behandlung erzielen. Der optimal wurzelgefüllte Zahn kann viele Jahre im Mund ohne Probleme verbleiben und funktionieren.